Das Heimatschutzministerium hat die zivilen Behörden der US-Regierung angewiesen, Produkte des chinesischen Startups für künstliche Intelligenz DeepSeek aus ihren Systemen zu entfernen und keine neuen mehr zu beschaffen. Die Anweisung wurde am Montag öffentlich gemacht.3,4,5,6
Die Anordnung erfasst auch Werkzeuge, die Dritte mit den Modellen von DeepSeek entwickelt haben, und untersagt die Vergabe staatlicher Aufträge für solche Produkte. In einem der Mitteilung beigefügten Dokument erklärte das Ministerium, „DeepSeeks Modelle stellen mehrere Bedrohungsvektoren dar“. Der Einsatz von DeepSeek-KI-Werkzeugen könne dazu führen, „dass sensible Daten an [China] übermittelt werden, wenn sie von Angestellten der US-Regierung oder von Zulieferern genutzt werden“.3,4,5
In dem Dokument heißt es, die Server von DeepSeek stünden in China, wo die Rechtsordnung der Regierung „weitreichende Befugnisse“ einräume, auf die Infrastruktur privater Unternehmen zuzugreifen. Die Hauptsorge des Ministeriums ist, dass sensible Regierungsdaten in China landen könnten und chinesischen Geheimdiensten so Einblick in Angelegenheiten amerikanischer Bürger und staatlicher Programme gewährt würde.3,5
Die Anordnung betrifft zivile Behörden. Das Heimatschutzministerium kann Weisungen an zivile Behörden erteilen, nicht aber an das Militär oder die Geheimdienste, weshalb das Verteidigungsministerium (Department of Defense) ausgenommen ist. Betroffen sind unter anderem das Finanzministerium (Treasury), das Außenministerium (State Department) und das Justizministerium (Justice Department). Das Verteidigungsministerium reagierte nicht auf eine Anfrage der AFP um Stellungnahme.3,5,6
Die Berichterstattung zum Zeitpunkt der Anordnung ist uneinheitlich. The Hill berichtete, die Anordnung sei ursprünglich im Juli ergangen. Breitbart schrieb, sie sei am 24. Juli erlassen, aber erst in dieser Woche öffentlich gemacht worden. Die BBC gab an, das Verbot sei ab Ende Juli in Kraft getreten, während der Guardian schrieb, die Regierung habe ihre Behörden am Montag angewiesen, die Werkzeuge nicht mehr zu nutzen.3,4,5,6
Behörden, die mehr Zeit benötigen oder eine Ausnahme wünschen, können innerhalb von 60 Tagen nach der Anordnung eine schriftliche Begründung beim Ministerium einreichen, einschließlich Anträgen auf Aufschub der Fristen. Die BBC schrieb, in der Mitteilung seien die genauen Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit DeepSeek nicht näher ausgeführt worden. Breitbart berichtete, das Ministerium habe auf Open-Source-Untersuchungen verwiesen, die mehrere kritische Schwachstellen in der iOS-App von DeepSeek gefunden hätten.5,6
DeepSeek, eines der führenden KI-Labore Chinas, erschütterte die Branche im Januar 2025 mit einem kostengünstigen und leistungsstarken Chatbot, der die Annahme einer US-Dominanz in diesem Feld infrage stellte. Das Unternehmen veröffentlichte im April das lang erwartete neue Modell V4 und aktualisierte Anfang Oktober eine schnellere, schlankere Version von V4. Die BBC berichtete, die neueste Version sei letzte Woche erschienen.3,6
Die BBC berichtete, DeepSeek habe angegeben, das Training der ersten Version seines Modells habe im vergangenen Jahr rund 6 Millionen US-Dollar gekostet, während die Kosten für GPT-4 von OpenAI etwa 100 Millionen US-Dollar betragen hätten. Der kostenlose Chatbot gehört in den Download-Charts des Apple App Store zu den meistheruntergeladenen Apps. US-Unternehmen wie Snowflake, Vercel und OpenRouter integrieren DeepSeek in ihre Angebote für Kunden.6
Die USA werfen DeepSeek und anderen führenden chinesischen KI-Firmen vor, die Fähigkeiten modernster Modelle amerikanischer Konkurrenten systematisch zu stehlen. Michael Kratsios, Technologiechef des Weißen Hauses, schrieb früher in diesem Jahr in einem internen Memo, es habe eine „böswillige Ausnutzung“ amerikanischer KI-Firmen gegeben, vor allem durch Konkurrenten in China. Auch Anthropic und OpenAI haben behauptet, ihre KI-Modelle seien von einigen chinesischen KI-Firmen, darunter DeepSeek, im Wesentlichen kopiert worden. Präsident Donald Trump hat erklärt, er sehe China als den wichtigsten Rivalen der USA bei der Entwicklung von KI.3,6
Das chinesische Außenministerium reagierte auf das Verbot. Sprecherin Mao Ning erklärte auf eine Anfrage von Reuters, China lehne „die Überdehnung der nationalen Sicherheit sowie die Politisierung von Wissenschafts-, Technologie- und Handelsfragen“ konsequent ab. Sie fügte hinzu, Peking werde die Rechte und Interessen seiner Unternehmen schützen.5
DeepSeek wurde um eine Stellungnahme gebeten. Die BBC teilte mit, sie habe außerdem das Heimatschutzministerium und die chinesische Botschaft in Washington kontaktiert.3,6
Das Verbot fällt in eine Zeit, in der beide Regierungen weiter über KI sprechen, während sie im Feld miteinander konkurrieren. Als Xi Jinping und Donald Trump im September im Weißen Haus zusammentrafen, vereinbarten China und die USA, einen „Kommunikationskanal“ für KI-Zwischenfälle einzurichten. Das Thema dürfte bei einem Treffen von Xi und Trump auf dem für November in der chinesischen Stadt Shenzhen angesetzten Gipfel erneut zur Sprache kommen.3