Präsident Donald Trump hat am Sonntag seine Angriffe auf den demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed bei einer Kundgebung in Port Huron im US-Bundesstaat Michigan verschärft. Den Anhängern sagte er: „Ich bin hier, um zu verhindern, dass ein dschihadistisches Mitglied der Muslimbruderschaft Senator der Vereinigten Staaten wird.“3,4
Die Kundgebung fand für den Republikaner Mike Rogers statt, einen früheren Kongressabgeordneten, den Trump unterstützt. Bei der Wahl am 3. November geht es um die Nachfolge des in den Ruhestand tretenden Demokraten Gary Peters. Die Republikaner sehen eine Chance, einen Senatssitz zu gewinnen, während sie versuchen, ihre Mehrheit zu halten. El-Sayed würde im Falle seiner Wahl das erste muslimische Mitglied des Senats. Die Republikaner haben ihn zum Symbol einer Demokratischen Partei gemacht, die sich weiter nach links bewegt. Progressive sehen seine Kandidatur dagegen als Test, ob ihre Agenda in einem umkämpften Bundesstaat gewinnen kann, vor der Präsidentschaftswahl 2028.4
In einem Beitrag auf Truth Social schrieb Trump: „Ich fahre nach Michigan, um gegen ein dschihadistisches Mitglied der Muslimbruderschaft zu kämpfen.“ Gemeint ist El-Sayed, ein Arzt und früherer Beamter im Gesundheitswesen. Trump behauptete außerdem, El-Sayed wolle die Scharia (Sharia) in den Vereinigten Staaten einführen, und fügte hinzu: „Wenn das jemals passiert, sollte er der Erste sein, der vor Gericht gestellt wird!“ Für beide Vorwürfe legte Trump keine Belege vor. Am Freitag hatte er El-Sayed als „bösartigen, gewalttätigen Dschihadisten“ bezeichnet sowie als „falschen Schwindler“ und „Lügner“, weil dieser sich als Mann der Mitte darstelle.3,2
Bei der Kundgebung sagte Trump, El-Sayed müsse durch einen Metalldetektor gehen, um das Senatsgebäude zu betreten. „Wer eine solche Unterstützung für Dschihadisten vorzuweisen hat, würde kontrolliert und bekäme keinen Sitzplatz in einem Flugzeug“, sagte Trump.7
El-Sayed hat erklärt, er sei den Vereinigten Staaten gegenüber loyal und habe sich von der Muslimbruderschaft distanziert, einer islamistischen Bewegung, deren Ableger die US-Regierung als terroristische Organisationen eingestuft hat. Angriffe auf seinen Glauben und seine Vaterlandsliebe weist er zurück. Er hat Trump verspottet und ihn aufgefordert, nach Michigan zu kommen, in der Überzeugung, ein Besuch werde sich gegen Rogers richten. „Donald, wenn du zuschaust, kneif nicht, Mann“, sagte El-Sayed.4,3
Rogers distanzierte sich am Sonntag von Trump und lehnte es ab, der Beschreibung des Präsidenten von El-Sayed zuzustimmen. Im Gespräch mit NBC-Moderatorin Kristen Welker sagte er, er habe El-Sayed nie als Terroristen bezeichnet: „Nein, das tue ich nicht – ich habe ihn nie einen Terroristen genannt. Ich habe ihn nie einen Terroristen genannt.“ Welker hakte daraufhin nach, ob Trumps Äußerungen über El-Sayed seinen eigenen Maßstäben entsprächen. Rogers hatte am 10. Oktober gesagt, dass Barstool-Sports-Gründer Dave Portnoy, der El-Sayed als Terroristen bezeichnete, „genau richtig“ liege.2
Dennoch wirft Rogers El-Sayed Verbindungen zur Muslimbruderschaft vor. In einer Erklärung nach der Vorwahl hatte Rogers gesagt, El-Sayed habe „der Muslimbruderschaft seine Unterstützung zugesichert“. Bei seinem Auftritt vor Trump sagte Rogers: „Die Muslimbruderschaft hat in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten genau einen Sieg bei den Vorwahlen gefeiert. Den von Abdul El-Sayed.“ Zudem wies Rogers die Behauptung zurück, El-Sayed habe sich von der Muslimbruderschaft distanziert, eine Position, die dieser wiederholt vertreten hat.2,4
Trump bezog sich außerdem auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 und verglich El-Sayeds Kandidatur mit den Passagieren, die im United-Flug 93 gegen Entführer kämpften. „Fünfundzwanzig Jahre später muss Michigan aufstehen und kämpfen, so wie Todd es getan hat, um zu verhindern, dass ein Dschihadist ins Kapitol einzieht“, sagte Trump und meinte Todd Beamer, einen gebürtigen Michigander, der an Bord der Maschine ums Leben kam. Anschließend lud Trump Beamers Eltern auf die Bühne ein. Beamers Vater David Beamer stellte El-Sayeds Anspruch auf eine amerikanische Identität infrage. Er argumentierte, dass die Geburt in den Vereinigten Staaten und eine amerikanische Geburtsurkunde allein nicht bedeuteten, dass jemand ein „echter Amerikaner“ sei.4,3
Die Kundgebung folgte auf Wahlkampfauftritte des früheren Präsidenten Barack Obama am Samstag in Ohio und Michigan, wo er El-Sayed gegen Angriffe auf dessen Religion und Vaterlandsliebe verteidigte. In Detroit warb Obama für El-Sayed und die demokratische Gouverneurskandidatin Jocelyn Benson. Dabei griff er auf Verschwörungstheorien der Birther-Bewegung zurück, die Trump gegen ihn verbreitet hatte. „Wir haben diesen Film schon einmal gesehen. Ich habe darin mitgespielt“, sagte Obama. „Ich habe eine Geburtsurkunde in der Langversion, die das belegt.“3
Trump hat El-Sayeds Glauben während des gesamten Wahlkampfs angegriffen und behauptet, seine früheren Äußerungen und sein Hintergrund zeigten Sympathien für Extremisten. El-Sayed hat wiederholt erklärt, dem Land loyal zu sein. Demokraten haben die republikanischen Vorwürfe als Angriffe auf El-Sayeds Glauben und seine ägyptische Herkunft verurteilt. In der letzten Debatte fragte Rogers: „Stehst du für Amerika oder für diese Terrorgruppen im Ausland?“ El-Sayed nannte die Frage „beschämend“. „Ich bin stolz auf unsere Verfassung, die uns allen das Recht garantiert, so zu beten, wie wir uns dafür entscheiden“, sagte er.4
Trumps Äußerungen umfassten auch Behauptungen über Wahlbetrug bei der Wahl 2020 sowie Angriffe auf Michigans Secretary of State Jocelyn Benson, die demokratische Kandidatin für das Gouverneursamt. Rogers und der republikanische Gouverneurskandidat John James sprachen ebenfalls vor der Menge und forderten die Anhänger zur Stimmabgabe auf. Port Huron liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich von Detroit, gegenüber von Kanada am St. Clair River. Die Republikaner haben in Michigan seit mehr als drei Jahrzehnten keine Senatswahl gewonnen, und Rogers verlor die Senatswahl 2024 gegen die damalige Abgeordnete Elissa Slotkin. Die vorzeitige Stimmabgabe läuft bereits in 43 Bundesstaaten, und die Kandidaten befinden sich in ihrer letzten vollen Wahlkampfwoche.3,4,6
Auf die Frage nach dem Rennen stellte Rogers die Wahl als Duell mit seinem Gegner dar. „Diese Wahl dreht sich um mich gegen Abdul“, sagte Rogers. „Ich meine, er ist ein Demokrat, der der Democrat Socialist of America nahesteht und diese ziemlich radikalen Unterstützergruppen hat, die Amerika nicht mögen. Ich denke, das sind Themen, nach denen die Menschen ihre Wahlentscheidung treffen sollten.“2