Präsident Donald Trump verwendete bei einer Kundgebung am Montag in Park City, Kansas, den Begriff „Shylock“, den die Anti-Defamation League und andere als antisemitisches Klischee bezeichnen. Damit verteidigte er den republikanischen Senator Roger Marshall gegen Kritik an dessen Klagen gegen Patienten wegen unbezahlter Arztrechnungen.1,2,3,4
Trump sagte, Marshall sei „schlecht behandelt worden, weil er gesetzlich verpflichtet war, die von Patienten geschuldeten Beträge nachdrücklich einzufordern“. Weiter sagte er: „Man darf es nicht nicht tun. Man muss diesen Leuten gesetzlich nachgehen, und dann haben sie daraus gemacht, so nach dem Motto: Oh, er war eine Art Shylock-Typ.“3,4
Shylock ist eine jüdische Figur in Shakespeares Stück „Der Kaufmann von Venedig (The Merchant of Venice)“, die als gerissener Geldverleiher dargestellt wird. Die Anti-Defamation League schreibt in einem Leitfaden für Pädagogen, dass „Shylock und durch Ausweitung alle Juden als geldgierig, intrigant und grausam dargestellt werden“.3
Trump hatte denselben Begriff bereits zuvor verwendet. In einer Rede im vergangenen Jahr über ein Gesetz, das er durchbringen wollte, unterschied er zwischen Bankern und sagte: „Nicht zu den Banken gehen und sich von, in manchen Fällen, einem netten Banker Geld leihen, und in manchen Fällen von Shylocks und schlechten Leuten.“ Als Reporter ihn später auf die antisemitische Herkunft des Begriffs ansprachen, sagte Trump, er habe „noch nie davon gehört“.1,3
Marshall, der vor seinem Einstieg in die Politik als Arzt tätig war, steht in der Kritik, weil er Hunderte Patienten wegen unbezahlter Arztrechnungen verklagt hat, darunter auch strafrechtliche Schritte wegen Schulden in Höhe von nur 101 Dollar. Die Klagen waren Gegenstand der Äußerungen, die Trump in Kansas machte. Trump hat Marshall dafür verteidigt, die unbezahlten Rechnungen eingetrieben zu haben, und erklärte, der Senator sei gesetzlich dazu verpflichtet gewesen.3,4
Die Kritik hat den Demokraten eine Chance in einem Senatssitz in Kansas verschafft, der normalerweise als sicher für die Republikaner gilt. Der demokratische Kandidat Adam Hamilton, ein Pastor, liegt laut dem von The New Republic zitierten Umfragedurchschnitt Kopf an Kopf mit Marshall.3
Die Anti-Defamation League verurteilte die Äußerung, nannte Trump jedoch nicht namentlich. Das geht aus der Überschrift eines Artikels des Guardian über die Reaktion der Organisation hervor.5
Den verfügbaren Berichten war nicht zu entnehmen, ob Marshall oder das Weiße Haus auf die Äußerungen reagiert haben. Ob Trump den Begriff erneut ansprechen wird, war zunächst ebenfalls unklar.1,4
Die Äußerungen Trumps wurden als Wiederholung seines früheren Gebrauchs des Wortes dargestellt. Die Überschrift des Washington Examiner beschrieb, dass Trump den Begriff bei der Kundgebung „erneut“ verwendet habe, während NBC News in seiner eigenen Berichterstattung auf die frühere Rede hinwies.1,2
Hamilton hat Marshalls Umgang mit medizinischen Schulden zu einem zentralen Punkt seines Wahlkampfs gemacht. Bei einer Debatte mit Marshall im vergangenen Monat sagte Hamilton: „Es gibt 2.000 Bibelverse, die davon handeln, sich um die Armen zu kümmern. Unter diesem Mann geschieht das nicht.“3