Verteidigungsminister Pete Hegseth ist am Montag während eines nicht angekündigten Besuchs in Israel mit Premierminister Benjamin Netanyahu zusammengetroffen, acht Tage vor der israelischen Parlamentswahl und inmitten von Gesprächen zwischen Washington und Jerusalem über eine mögliche Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen gegen Iran.1,2,3,4
Axios berichtete unter Berufung auf zwei Quellen, dass das Treffen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda (Ovda Air Base) im Süden Israels stattfand, wo US-Tankflugzeuge und Kampfjets stationiert sind. Ein Sprecher Netanyahus, Doron Spielman, bestätigte später gegenüber Reuters, dass sich die beiden Männer am Vortag auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda in der südisraelischen Negev-Wüste getroffen hatten. Ein hochrangiger US-Militärvertreter sagte CBS News unter der Bedingung der Anonymität, Hegseth habe Israel besucht und sich mit Netanyahu getroffen.1,3,4
Axios berichtete außerdem unter Berufung auf eine mit der Reise vertraute Quelle, Hegseth habe sich auf dem Stützpunkt mit US-Soldaten getroffen. Hegseth veröffentlichte später auf X ein Foto von sich beim Besuch von Truppen des US-Zentralkommandos (U.S. Central Command). „Wie immer war es mir eine Ehre, unsere Kämpfer heute bei @CENTCOM zu besuchen“, schrieb er. „Das Beste unseres Landes, auf einer historischen Mission. Gottes Segen.“ CENTCOM ist für US-Militäroperationen im Nahen Osten, in Teilen Zentralasiens, in Südasien und in Ägypten zuständig.1,2
Spielman sagte, die beiden Politiker hätten über „die Bedrohungen in der Region“ und die Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Israel im Umgang mit diesen Bedrohungen gesprochen, sowohl offensiv als auch defensiv. Hegseth habe Israel außerdem dafür gedankt, dass es US-Truppen beherbergt, deren Zahl er auf mehrere Tausend bezifferte, und die Unterstützung von Präsident Donald Trump für den Premierminister besprochen. „Hier besteht eine tiefe persönliche Beziehung, die im Mittelpunkt dieses Gesprächs stand“, sagte Spielman.3
In einer am Dienstag von seinem Büro veröffentlichten Erklärung sagte Netanyahu, er habe am Sonntag mit Trump gesprochen. „Wir sind entschlossen, die Beseitigung des iranischen Regimes zu vollenden“, sagte Netanyahu. „Ich habe das mit Trump schon viele Male besprochen, auch vorgestern.“ Al Jazeera wies darauf hin, dass Netanyahu vom Internationalen Strafgerichtshof (International Criminal Court) wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen gesucht wird.3
Der Besuch fand kurz nach einer öffentlichen Wahlempfehlung Trumps für Netanyahu bei der israelischen Wahl statt. Trump lobte den Premierminister am Sonntag als Verbündeten im Krieg, den die USA und Israel Ende Februar gegen Iran begonnen haben, und schrieb in den sozialen Medien, Netanyahu habe seine „vollständige und uneingeschränkte Unterstützung“. Nour Odeh, Reporterin von Al Jazeera, berichtete aus Ramallah im besetzten Westjordanland (West Bank), die Regierung unterstütze Netanyahu „als Schutzmacht Israels und als Führungspersönlichkeit, die mit den USA bei verschiedenen Themen wie einem Regimewechsel im Iran zusammenarbeiten kann“.3,1
Die israelische Wahl ist laut Al Jazeera für den 27. Oktober angesetzt. Netanyahus religiös-nationalistische Koalition dürfte ihre Regierungsmehrheit verlieren, doch Umfragen deuten darauf hin, dass auch die Opposition Schwierigkeiten haben könnte, eine Regierung zu bilden. Daily Caller setzte den Besuch in Beziehung zu Trumps offenbar erwogener weiterer großer Militäroffensive gegen Iran und zitierte einen hochrangigen Militärvertreter, der dem Daily Caller News Foundation in einem früheren Interview sagte: „Jetzt wird es heiß.“ Die Bemerkung deute darauf hin, dass die US-Operationen gegen Iran bald intensiviert werden könnten.3,2
US-Vizepräsident JD Vance lehnte es am Montag in einem Interview ab, Netanyahu zu unterstützen. „Ich unterstütze amerikanische Kandidaten, und darauf konzentriere ich mich bei den Zwischenwahlen“, sagte Vance in einem Interview mit dem digitalen Medienangebot 2WAY. „Ich bin nicht dagegen, ihn zu unterstützen, aber ich bin auch nicht dafür; ich mische mich nicht in israelische Wahlen ein“, sagte er.3
Auf eine Frage von Al Jazeera zu Gesprächen zwischen Trump und Netanyahu über angebliche Pläne, Iran anzugreifen, wiederholte die stellvertretende Pressesprecherin des Weißen Hauses, Anna Kelly, die Behauptung des Präsidenten, dass „der Iran wirtschaftlich und militärisch in sehr schlechter Verfassung ist“. Kelly sagte außerdem, die USA „werden Iran vor den Zwischenwahlen zu keinem Zeitpunkt angreifen“.3
Die Berichte unterscheiden sich darin, wie das Pentagon reagierte. Axios schrieb, das Pentagon und die israelische Botschaft hätten eine Stellungnahme abgelehnt, und das Büro des Premierministers habe auf eine Anfrage nicht umgehend reagiert. Daily Caller berichtete, das Pentagon habe auf Hegseths X-Beitrag verwiesen, der seinen Besuch bei Truppen auf dem Luftwaffenstützpunkt Ovda zeigt. Al Jazeera berichtete, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums (Department of Defense) habe mitgeteilt, das Ministerium „lehnt eine Stellungnahme zu Berichten über den Besuch ab“. Die israelische Botschaft in Washington reagierte nicht umgehend auf eine Anfrage von Daily Caller.1,2,3
Die Wahl in Israel ist für den 27. Oktober angesetzt, die Zwischenwahlen in den USA finden etwa zwei Wochen nach der israelischen Abstimmung statt. Auf die Frage nach Trumps Wahlempfehlung machte Vance deutlich, dass sein eigener Fokus woanders liegt. „Ich mische mich nicht in israelische Wahlen ein“, sagte er.1,2,3