Bewaffnete haben am Freitag bei einer Trauerfeier in einer griechisch-orthodoxen Kirche in einem Dorf im Gouvernement Karak in Jordanien das Feuer eröffnet. Dabei wurden sieben Menschen getötet und Dutzende verletzt, wie Behörden mitteilten.1,3,4
Obaidallah Maaytah, Direktor der öffentlichen Sicherheit Jordaniens, sagte, sieben Menschen seien getötet und 34 verletzt worden, 27 der Verletzten würden im Krankenhaus behandelt. Die BBC berichtete ebenfalls von mindestens 34 Verletzten. Al Jazeera meldete, zehn weitere seien verletzt worden. Die Berichte bringen die beiden Zahlen nicht miteinander in Einklang.1,3,4
Auch die Zahl der Todesopfer änderte sich im Lauf des Tages. Die BBC berichtete, zunächst seien sieben Tote gemeldet worden, später habe ein Regierungssprecher von sechs Toten gesprochen, und die Behörden hätten die Zahl anschließend erneut auf sieben korrigiert. Jordanische Quellen sagten Al Jazeera, mindestens sieben Tote seien bestätigt.1,4
Die Angaben zu den Angreifern gehen auseinander. Die BBC berichtete, die unbekannten Bewaffneten seien in einem Auto angekommen, in die Kirche gegangen und hätten das Feuer eröffnet, bevor sie flohen; niemand habe sich zu dem Angriff bekannt. Laut einer von der BBC geprüften Videoaufnahme einer Überwachungskamera scheinen sich drei Bewaffnete der Kirche genähert zu haben, die offenbar alle mit Handfeuerwaffen ausgestattet waren. DW berichtete, zwei Männer hätten auf den Trauerzug geschossen. Al Jazeera berief sich auf den staatlichen Sender Al-Mamlaka, wonach zwei Verdächtige aus einem Fahrzeug gestiegen seien, bevor sie schossen. Der Trauergast Khaled Burqan sagte dem Sender, einer der Angreifer habe eine Pistole, der andere ein Gewehr getragen.1,3,4
Innenminister Mazen al-Faraya bezeichnete die Angreifer auf einer Pressekonferenz als „Gruppe von Extremisten“ und sagte, die Behörden arbeiteten daran, die Täter zu fassen. Er nannte den Angriff „schmerzhaft und grauenhaft“ und erklärte, er sei „beispiellos in der Geschichte des Haschemitischen Königreichs Jordanien (Hashemite Kingdom of Jordan)“. DW berichtete unter Berufung auf den jordanischen Sender Roya News, al-Faraya habe erklärt, die Behörden kennten die Namen der Verdächtigen bereits, wollten sie vorerst jedoch nicht nennen. DW schrieb außerdem, Identität und Motiv der Angreifer seien weiterhin unklar.1,3
König Abdullah II. kündigte nach Angaben der BBC an, man werde „die terroristische Tat, die sich gegen Karak richtete, mit den härtesten Strafen verfolgen“. DW berichtete, er habe „die härteste Vergeltung“ angekündigt. Regierungssprecher Mohammad al-Momani sagte, die Sicherheitskräfte hätten eine Untersuchung des Angriffs eingeleitet.1,3
Ein männlicher Zeuge sagte der BBC: „Ich habe etwas gehört, als hätte gerade ein Krieg begonnen“, und fügte hinzu: „Ich dachte, es sei ein elektrischer Kurzschluss.“ Eine Frau in der Kirche berichtete, Explosionen seien Sekunden nach einem Gebet zu hören gewesen, gefolgt vom Geräusch von Maschinengewehren. Die BBC berichtete, ein Zeuge schätze die Dauer des Angriffs auf rund 15 Minuten, während die Frau die Lage so beschrieb, dass sie sich „über 10 ununterbrochene Minuten weiter zuspitzte“. Laut einem Zeugen befanden sich zum Zeitpunkt der Schüsse außerdem zwischen 150 und 200 Menschen in der Kirche, wie die BBC berichtete.1
Im Krankenhaus in Karak, in dem die Verletzten behandelt werden, herrschte laut BBC eine starke Sicherheitspräsenz. Rund um die Klinik waren Straßen gesperrt, und viele Menschen wirkten verzweifelt. Auch vor einem Besuch des Königs bei den Verletzten wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die BBC berichtete, manche Einwohner äußerten Frust über das, was sie als „ein Versäumnis, im Umgang mit Terroristen härter vorzugehen“ bezeichneten.1
Karak hat laut BBC eine beträchtliche christliche Gemeinde in dem mehrheitlich muslimischen Jordanien. Solche Gewalt sei im Land selten, wenngleich es in der Vergangenheit bereits tödliche Anschläge gegeben habe. Al Jazeera schrieb, Christen bildeten eine Minderheit der rund 11,5 Millionen Einwohner Jordaniens, das Land beherberge jedoch mehrere biblische Stätten, die Christen aus aller Welt anziehen.1,4
Der libanesische Präsident Joseph Aoun, ein christliches Staatsoberhaupt, bezeichnete den „abscheulichen terroristischen Angriff“ auf die Kirche als Verstoß gegen „die Unverletzlichkeit des Todes und der Trauergäste“, der „allen religiösen und humanitären Werten widerspricht“, wie die BBC unter Berufung auf libanesische Medien berichtete.1
Niemand hat sich nach Angaben der BBC zu dem Angriff bekannt, und Al Jazeera berichtete, es gebe kein unmittelbares Bekennerschreiben. Al Jazeera meldete, die jordanischen Behörden hätten nicht gesagt, wer verantwortlich sei, während der Innenminister die Angreifer als Gruppe von Extremisten beschrieben habe. Die Sicherheitskräfte ermitteln, und DW berichtete, Identität und Motiv der Angreifer seien weiterhin unklar.1,3,4