Russland erklärte am Mittwoch, es sei grundsätzlich bereit, die dreiseitigen Friedensgespräche mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten wieder aufzunehmen, während in der Nacht Raketen Kiew trafen und die Bewohner in Schutzräume schickten.1,3,5
Das Signal folgte auf ein dreistündiges Treffen in Sankt Petersburg (St. Petersburg) zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem US-Gesandten Steve Witkoff; der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner, nahm aus der Ferne teil. Zu Beginn des Treffens kündigte Putin die Freilassung von Stephen Hubbard an, einem US-Bürger, der seit mehr als vier Jahren in Russland festgehalten worden war. Witkoff dankte Putin und bezeichnete ihn als Humanitären. "Sie reden so viel darüber, dass mein Präsident, Präsident Trump, ein Humanitärer ist – Sie sind auch ein Humanitärer, Sir, und dafür zolle ich Ihnen Respekt", sagte Witkoff. Präsident Donald Trump sagte nach dem Treffen, es sei "so nah wie nie zuvor", den Krieg zu beenden.1,4,5
Der Kreml-Berater Juri Uschakow (Yuri Ushakov) sagte Reportern, Russland sei bereit, zum dreiseitigen Format zurückzukehren. Die Berichte unterschieden sich beim Zeitpunkt. In den Worten Uschakows, wie Axios ihn zitiert, sagte er: "Unser Präsident hat Steve Witkoff mitgeteilt, dass wir grundsätzlich bereit sind, die erwähnten dreiseitigen Verhandlungen zum Hauptthema um den 10. November wieder aufzunehmen." France 24 berichtete, die Gespräche könnten Mitte November wieder aufgenommen werden, nach den US-Zwischenwahlen, wobei der Kreml wolle, dass sie sich auf die Sicherheit nach dem Krieg konzentrieren. Uschakow sagte außerdem, die Gespräche könnten in Abu Dhabi stattfinden.1,5
Uschakow sagte, Witkoff habe Putin über das Ergebnis der Gespräche in Oslo unterrichtet, an denen ukrainische und europäische Vertreter teilnahmen, zeigte sich jedoch abweisend gegenüber den Vorschlägen. "Da war wirklich nicht viel Substanz drin", sagte er laut France 24. Axios zitierte ihn mit den Worten: "Die Oslo-Gespräche enthielten nicht viel Nützliches für die Lösung der ukrainischen Krise." Witkoff bezeichnete die Gespräche mit Putin in einem Beitrag in den sozialen Medien als "konstruktiv" und fügte hinzu, "es bleibt wichtige Arbeit zu tun". Die Gespräche zwischen den USA, der Ukraine und Russland sollten auf technischer Ebene weitergeführt werden, sagte er.1,5
Ein Beamter des Weißen Hauses sagte The Daily Wire, der Vorschlag für ein Treffen auf technischer Ebene sei von beiden Seiten angenommen worden. "Sonderbeauftragter Steve Witkoff und Jared Kushner schlugen ein dreiseitiges Treffen auf technischer Ebene zwischen den USA, Russland und der Ukraine vor", sagte der Beamte. "Dies wurde gestern in Oslo von den Ukrainern und heute in Sankt Petersburg von den Russen akzeptiert." Der Beamte sagte, die Gespräche mit Putin hätten auch einen Plan für Wirtschaft und Wohlstand nach dem Krieg sowie europäische Sicherheitsvereinbarungen umfasst. Der russische Präsidentengesandte Kirill Dmitrijew (Kirill Dmitriev) habe ebenfalls an dem Treffen teilgenommen, so der Beamte.4,5
Das Treffen zwischen Witkoff und Putin fand einen Tag, nachdem Witkoff und Kushner den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (Volodymyr Zelensky) in Oslo getroffen hatten, statt. An dieser Sitzung nahmen auch Norwegen, Finnland und mehrere europäische Länder teil. Die Gespräche in Oslo sollten laut France 24 einen Riss zwischen Trump und Selenskyj kitten. Selenskyj hat gesagt, der nächste Schritt sollte ein dreiseitiges Treffen mit ihm selbst, Putin und Trump sein, ein Format, das Russland bisher abgelehnt hat. Gegenüber Journalisten sagte er, Kiew unterstütze ebenfalls die Wiederaufnahme der dreiseitigen Gespräche. "Die amerikanische Seite schlägt vor, dieses Treffen so bald wie möglich zu organisieren. Wir sind dafür", sagte er.1,5
Stunden nach den Gesprächen trafen in der Nacht Raketen Kiew, teilten die Behörden am frühen Donnerstag mit. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte in den sozialen Medien, die Angriffe hätten sechs Menschen in der Hauptstadt verletzt, vier davon müssten im Krankenhaus behandelt werden. Die ukrainische Luftwaffe warnte vor "weiteren ballistischen Raketen in Richtung Kiew" und forderte die Bewohner auf, in Schutzräumen zu bleiben. Russische Behörden erklärten, sie hätten in der Nacht Drohnen abgefangen, darunter mehr als 160, die auf Moskau zuflogen.1
Kiew teilte mit, russische Angriffe hätten am Mittwoch mindestens vier Menschen getötet, darunter zwei in der Hauptstadt und ein älteres Ehepaar in der östlichen Region Charkiw (Kharkiv). Separat erklärten russische Besatzungsbehörden in der Region Luhansk, ein ukrainischer Drohnenangriff auf ein Telefonunternehmen habe zwei Menschen getötet. Russland setzt seine Angriffe auf ukrainische Städte vor dem Winter fort, berichtete France 24.1
Hubbard, ein pensionierter Englischlehrer in seinen Siebzigern, hatte stets bestritten, ein Söldner gewesen zu sein, der für die Ukraine kämpfte, berichtete France 24. Axios schrieb, er sei 74 Jahre alt gewesen und im April 2022 von russischen Truppen in der Ostukraine gefangen genommen worden. Trump schrieb auf Truth Social: "Stephen ist auf dem Weg nach Hause und wird bald bei seiner Familie sein. Die Vereinigten Staaten mussten aus Respekt vor Präsident Trump nichts im Gegenzug geben – eine beispiellose Situation für Russland." Die Senatoren John Cornyn, Republikaner aus Texas, und Thom Tillis, Republikaner aus North Carolina, kritisierten Witkoffs Äußerung über Putin. Cornyn schrieb auf X: "Nein. Putin ist ein eiskalter Killer."4,5
Die Diplomatie fällt zusammen mit einem separaten Streit über Sanktionen. Trump hat die Verhängung von Sanktionen gegen Russlands Kriegsmaschinerie verzögert, eine Entscheidung, die er am Mittwoch als notwendig verteidigte, um Hubbards Freilassung zu sichern. "Wenn Sie diese Sanktionen verhängt hätten ... dann hätten Sie ihn vergessen können. Sie hätten ihn nie wiedergesehen", sagte Trump im Weißen Haus zu Reportern. In den vergangenen Tagen hatte Trump zudem einen angeblichen Deal verkündet, wonach Russland Diesel verkaufen darf, eine Maßnahme, die die Kraftstoffpreise senken soll, welche nach seinem Iran-Krieg gestiegen waren. Der Dieselhandel löste in Kiew und in ganz Europa Empörung aus, berichtete France 24.1
Trump war im Januar 2025 mit dem Versprechen an die Macht zurückgekehrt, den Krieg binnen 24 Stunden zu beenden. Mehr als ein Jahr US-geführter Gespräche hat keinen Durchbruch gebracht, und Zehntausende Menschen wurden getötet, berichtete France 24. Putin, der die Invasion der Ukraine im Februar 2022 angeordnet hatte, hat direkte Gespräche mit Selenskyj konsequent abgelehnt und darauf bestanden, dass Moskau den Rest der Ostukraine erobern wolle.1
Uschakow sagte, ein Gipfeltreffen zwischen Putin, Trump und Chinas Präsident Xi Jinping werde im nächsten Monat in Shenzhen vorbereitet, und nannte es "das erste solche Treffen in der Geschichte". Axios berichtete, Putin habe Witkoff gesagt, er wolle ein mögliches Treffen mit Trump in China Mitte November erörtern. Putin habe Witkoff außerdem mitgeteilt, er wolle besprechen, ob Russland zwischen den USA und dem Iran vermitteln könne.1,5
Vorerst bleiben Zeitpunkt und Format der nächsten Gesprächsrunde ungeklärt, und die Berichte nennen keinen bestätigten Termin für ein dreiseitiges Treffen. Witkoffs Äußerungen ließen die Frage offen; der Gesandte sagte, es bleibe Arbeit zu tun.1,5