Iran erklärte am Donnerstag, seine Marine der Revolutionsgarde habe in der Nacht sieben Öltanker in der Straße von Hormus getroffen oder außer Gefecht gesetzt. Die Angabe ließ sich nicht unabhängig überprüfen, US-Beamte widersprachen ihr.1,3,4
Die Marine der Revolutionsgarde erklärte in einer Mitteilung, vier der Tanker hätten Öl umgeladen, als sie angegriffen wurden und in Brand gerieten. Drei weitere seien nach dem Auflaufen auf Seeminen beschädigt und manövrierunfähig geworden. Das staatliche iranische Fernsehen meldete die Zahlen. Der Bericht enthielt keine Angaben zu möglichen Opfern oder zur Flagge der Tanker.1,3,4
Das Ausmaß der Angriffe wurde unterschiedlich dargestellt. Al Jazeera sprach von der höchsten Tagesbilanz für die Wasserstraße seit Beginn des Krieges der Vereinigten Staaten (United States) und Israels gegen den Iran am 28. Februar. PBS NewsHour erklärte, es handele sich möglicherweise um die größte Zahl an beschädigten Schiffen an einem einzigen Tag seit Kriegsbeginn, und wies darauf hin, dass die Angabe nicht verifiziert sei.1,4
Das Schifffahrtsdaten- und Analyseunternehmen Lloyd's List Intelligence erklärte am Donnerstag, einige Tankerbetreiber, die das Risiko in Kauf nehmen, transportierten nachts Öl von Produzenten am Golf durch die Straße. Sie nutzten einen von den US-Streitkräften geschützten Korridor nahe der omanischen Küste, wobei Ortungssysteme und Mobiltelefone abgeschaltet seien. Das Öl werde anschließend auf andere Tanker umgeladen, die im Golf von Oman (Gulf of Oman) auf den Weitertransport zu Kunden in Asien warten.1
Die Straße ist eine strategische Schifffahrtsroute, über die vor Kriegsbeginn ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung transportiert wurde. Iran beansprucht die Kontrolle über die Wasserstraße. Laut Al Jazeera greift Iran regelmäßig Schiffe an, die ohne seine Genehmigung passieren wollen. Das US-Militär hat Schiffe zunehmend durch die Straße eskortiert, wie Al Jazeera berichtete, und Iran habe darauf mit einer Ausweitung der Angriffe reagiert.4,1
Die Revolutionsgarde warnte außerdem, sie könne US-Stützpunkte im gesamten Nahen Osten angreifen, falls Washington Tankern hilft, andere Teile der Straße zu passieren. „Das US-Militär muss wissen, dass sich der Konflikt auf seine Stützpunkte in der Region ausweiten wird, wenn dieser Trend anhält“, erklärte die IRGC in einer Mitteilung auf ihrer Website Sepah News. „Dies ist eine ernste Warnung.“4
Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag: „Iran tut alles, um den Ölpreis vor den US-Zwischenwahlen in die Höhe zu treiben.“ In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: „Sie erfinden gefälschte Treffer, Minen und alles Mögliche, weil jetzt mehr Öl durch die Straße von Hormus fließt als sogar vor Beginn des Konflikts.“4
Ein Sprecher des US-Zentralkommandos (US Central Command) sagte Al Jazeera anonym, Irans Minenangaben seien falsch. US-Streitkräfte hätten die internationalen Schifffahrtsrouten von Minen geräumt, und Iran setze Raketen und Drohnen ein. Die Straße bleibe offen, 95 Prozent der Schiffe kämen durch. Die Angriffe zeigten die „Verzweiflung“ Teherans (Tehran) unter der US-Blockade, so der Sprecher weiter.4
Der Al-Jazeera-Reporter Mohamed Vall berichtete aus Teheran, in der Stadt kursiere das Gerücht einer unmittelbar bevorstehenden Eskalation des Krieges. Viele Iraner rechneten damit, dass die USA vor den US-Zwischenwahlen Anfang November angreifen. „Die Zahl der Schiffe und Tanker, die jeden einzelnen Tag angegriffen werden, steigt“, sagte er.4
Aus dem Weißen Haus (White House) berichtete Al Jazeeras Kimberly Halkett, Umfragen zeigten, dass „die meisten Amerikaner wollen, dass ihre Steuergelder nicht für einen möglichen, sich ausweitenden Krieg mit dem Iran verwendet werden“. Sie fügte hinzu: „Der Druck liegt auf dem Präsidenten, und er kommt nicht nur von der Opposition. Er kommt auch aus der Republikanischen Partei (Republican Party).“4
Aramco-Präsident und CEO Amin Nasser erklärte in einem Interview mit dem saudischen Sender Al Arabiya Business, die Kapazität der Ost-West-Pipeline (East-West pipeline), die die Straße von Hormus umgeht, sei von 2 auf 7 Millionen Barrel pro Tag gestiegen. Nasser sagte, das Unternehmen setze Drohnen ein, um Schäden durch Angriffe der Huthi-Rebellen (Houthi rebels) aus dem Jemen (Yemen) auf Ölfelder zu bewerten und bei der Brandbekämpfung zu helfen.1
In Saudi-Arabien (Saudi Arabia) erklärte die Zivilluftfahrtbehörde (Civil Aviation Authority) am Donnerstag, die Zahl der Toten nach einem Angriff auf den King-Fahd-Flughafen (King Fahd International Airport) am späten Mittwochabend sei auf zwei gestiegen: ein saudischer Staatsbürger und ein indischer Staatsangehöriger. Acht weitere Personen seien verletzt worden. Die Huthi-Rebellen bekannten sich in einer Erklärung auf Telegram zu dem Angriff. Ihr Militärsprecher Yahya Saree beanspruchte zudem Angriffe auf eine Aramco-Anlage in Yanbu und auf das saudische Verteidigungsministerium (Saudi Defense Ministry) in Riad (Riyadh), legte für den Angriff auf das Ministerium jedoch keine Belege vor.1
Im Gazastreifen (Gaza Strip) wurden am Donnerstag nach Angaben von Krankenhausvertretern mindestens vier Menschen getötet und weitere verletzt, bei israelischen Angriffen und Schüssen. Das israelische Militär erklärte, die Angriffe in Gaza-Stadt (Gaza City) und Chan Junis (Khan Younis) hätten Hamas-Kämpfer ins Visier genommen. Es sei nicht umgehend über eine Schießerei in Dschabalija (Jabaliya) informiert gewesen, bei der eine Frau getötet wurde, und habe sich zunächst nicht zu einem Angriff auf ein Flüchtlingslager in Nuseirat geäußert.1
Das staatliche iranische Fernsehen zeigte am Donnerstag außerdem Dutzende Militärdrohnen, die nach eigenen Angaben leistungsfähiger und ausgereifter seien als frühere Versionen. Eine neue Version der Drohne „Arasch“ habe einen Gefechtskopf mit 100 kg (220 Pfund), doppelt so stark wie zuvor. Armeechef General Amir Hatami sagte laut der Website des Staatsfernsehens, Iran habe „ein bedeutendes Niveau an Reife auf dem Gebiet der Drohnen und unbemannten Systeme im Allgemeinen erreicht“, und in Zukunft würden weitere Drohnen vorgestellt.1