Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Freitag, er habe eine großangelegte Militäroperation im besetzten Westjordanland angeordnet und die Truppen angewiesen, die Stadt Hebron abzuriegeln, nachdem ein Schusswaffenangriff zweier palästinensischer Männer zwei israelische Soldaten getötet hatte.1,3,4
Das israelische Militär teilte mit, seine Einheiten hätten die beiden Bewaffneten getötet, nachdem diese an einer Kreuzung nahe Hebron das Feuer eröffnet hatten. Die gefallenen Soldaten wurden als Stabsunteroffizier Ron Yonatan Roytman, 23, und Unteroffizier Yuval Shai Svilem, 20, genannt. Drei weitere Soldaten wurden leicht verletzt, teilte das Militär mit. Der Angriff ereignete sich wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel am Dienstag, bei der Netanjahu die nationale Sicherheit zu einem zentralen Thema seines Wahlkampfs für eine weitere Amtszeit gemacht hat.1,3,4
Das Militär erklärte, die beiden Verdächtigen, beide Palästinenser aus Hebron, seien mit einem Gewehr M16 und einer Handfeuerwaffe bewaffnet gewesen. Der Angriff habe sich an der Yehuda-Kreuzung (Yehuda Junction) außerhalb der Stadt ereignet. Die Männer seien am Morgen an einer israelischen Militärstellung eingetroffen, woraufhin rund 20 Minuten lang das Feuer erwidert wurde; danach töteten israelische Soldaten sie. Die Streitkräfte hätten zudem verhindert, dass die Männer weiter vordrangen, wo der Angriff zivile Opfer hätte fordern können. Magen David Adom, Israels wichtigster Rettungsdienst, teilte mit, um 7.15 Uhr Ortszeit sei eine Meldung über mehrere Verletzte eingegangen; mindestens fünf Menschen seien behandelt worden, zwei davon in kritischem Zustand. Die Identität der beiden Männer war am späten Freitagvormittag noch nicht eindeutig geklärt.1,3,4
Das Büro Netanjahus teilte mit, es habe die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Israel Defense Forces) angewiesen, eine Abriegelung über Hebron zu verhängen und sich ab Freitag auf eine „vollständige Abriegelung“ des gesamten Westjordanlands vorzubereiten. Zu den geplanten Maßnahmen für das Gebiet machte es keine weiteren Angaben. Netanjahu sagte, um Hebron, eine Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern, sowie um die Stadt Halhul werde ein Sperrring gelegt. Israel werde erwägen, „dieses Modell auch auf andere Städte auszuweiten“.1,3,4
Netanjahu sagte, er habe die Evakuierung der Bewohner aus dem Viertel angeordnet, in dem die Bewaffneten gelebt hatten, vor einer Durchsuchung der Häuser nach Waffen. „Unser erster Schritt wird sein, diesen Ort abzureißen und vollständig umzugestalten“, sagte er. Vor Ort fügte er hinzu: „Wir werden die Bewohner evakuieren, wir werden Haus für Haus durchsuchen, wir werden auch die Waffen dort entfernen, und die gesamte Terrorinfrastruktur wird behandelt und zerstört.“1,4
Das Militär teilte mit, im Fahrzeug der Angreifer seien große Mengen Waffen und Munition gefunden worden, und warf den beiden Männern vor, einen großangelegten Angriff auf Zivilisten geplant zu haben. Eyal Zamir, Generalstabschef der israelischen Armee, sagte, in einem von den Bewaffneten genutzten Fahrzeug sei eine „große Menge Munition gefunden“ worden. „Diese Munition sollte bei einem Angriff in größerem Maßstab eingesetzt werden“, fügte er hinzu. Netanjahu verwies auf „große Mengen an Waffen und Munition, die entdeckt wurden“, machte jedoch keine weiteren Angaben.1,3,4
Netanjahu bezeichnete die Bewaffneten als „Hamas-Terroristen“ und machte die Hamas nach einer Dringlichkeitssitzung mit seinem Sicherheitskabinett sowie den obersten Militär- und Sicherheitsverantwortlichen für den Schusswaffenangriff verantwortlich. Die Gruppe plane „einen großangelegten Angriff, der auf die Ermordung unschuldiger Zivilisten abzielt“. Die Hamas bezeichnete den Angriff als heldenhaft und als legitime Antwort auf „anhaltende Verbrechen und brutale Angriffe gegen unser Volk, unser Land und unsere heiligen Stätten“, bekannte sich jedoch nicht ausdrücklich dazu. Die Hamas, die Israel und die Vereinigten Staaten seit Langem als Terrororganisation einstufen, rief Palästinenser im Westjordanland, die Waffen besitzen, dazu auf, diese gegen israelische Soldaten und in dem Gebiet lebende israelische Zivilisten einzusetzen.1,3
Netanjahu sagte, der Schusswaffenangriff sei ein Versuch gewesen, die Wahl zu beeinflussen. Er habe „vor einigen Wochen vor den Versuchen unserer Feinde gewarnt, uns, unsere Zivilisten und unsere Soldaten vor den Wahlen zu schaden. Genau das haben sie hier versucht.“ Die Likud-Partei teilte mit, Netanjahu habe seine obersten Sicherheitschefs zusammengerufen und alle Wahlkampfveranstaltungen für den Rest des Tages abgesagt. „Unsere tapferen Soldaten haben diesen Angriff mit Mut und Entschlossenheit vereitelt“, sagte Netanjahu und fügte hinzu: „Ich lobe ihr Handeln und wünsche unseren Verletzten eine baldige Genesung.“1,3,4
Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, forderte am Freitag, die Palästinensische Autonomiebehörde (Palestinian Authority), die seit Langem Teile des Westjordanlands verwaltet, aufzulösen. „Es darf keine Situation geben, in der wir in Judäa und Samaria (Judea and Samaria) einen Zustand des Terrors haben“, schrieb er in einem Beitrag auf X. Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb in den sozialen Medien: „Es gibt keine Alternative zu einer umfassenden militärischen Kampagne in Judäa und Samaria, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen, die Waffen einzusammeln und die Terroristen zu beseitigen, genau so, wie wir es in Gaza und im Libanon (Lebanon) getan haben.“ Am Freitag gab es keine Hinweise darauf, dass die Palästinensische Autonomiebehörde Verbindungen zu den Bewaffneten hatte.3,4
Verteidigungsminister Israel Katz deutete eine umfassende Offensive in Hebron an und verglich sie mit den israelischen Operationen in Gaza und im Libanon. „Jedes Clanviertel in Hebron, aus dem die Terroristen heute hervorgegangen sind, wird von seinen Bewohnern geräumt, und die Terrorinfrastruktur in dem Viertel wird angegangen und zerschlagen“, sagte er. „Das ist die einzige Sprache, die der dschihadistische Terrorismus versteht. Genau wie in Gaza, genau wie im Libanon.“3
Nach dem Schusswaffenangriff teilte die Armee mit, Soldaten sowie israelische Sicherheits- und Geheimdienste hätten im Westjordanland Dutzende Einsätze durchgeführt und Dutzende Menschen festgenommen, darunter Personen, die der Hamas und dem Islamischen Dschihad (Islamic Jihad) nahestehen. Außerdem seien Waffen gefunden worden, darunter Gewehre des Typs M16 und Maschinenpistolen. Gesondert erklärte das Militär, es habe im Verlauf der vergangenen Woche bei Einsätzen im Westjordanland rund 70 gesuchte Palästinenser festgenommen. In Hebron seien „offensive Operationen zur Terrorismusbekämpfung“ eingeleitet worden; Soldaten operierten in den Wohnungen der Schützen und anderer Verdächtiger.1,4
Der Angriff fällt in eine Phase, in der die Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser zugenommen haben; sie begannen mit dem Beginn der Olivenernte. Dabei wurden Palästinenser, Aktivisten und amerikanische Journalisten angegriffen und festgehalten. Brad Lander, demokratischer Kongresskandidat aus New York, wurde diese Woche bei der Unterstützung palästinensischer Bauern während der Ernte kurzzeitig von israelischen Streitkräften festgenommen. Netanjahu hatte die Gewalt von Siedlern zuvor „einer Handvoll junger Straftäter“ angelastet, bezeichnete die Siedler am Freitag jedoch als „heldenhaft“ und sagte, sie seien „ein Vorbild für das Volk Israel und für den Staat Israel“. Es war das vierte Mal innerhalb des vergangenen Monats, dass Israel im gesamten Gebiet Einschränkungen verhängte: Tore und Kontrollpunkte, die palästinensische Dörfer mit großen Straßen verbinden, wurden geschlossen, während die Straßen für israelische Fahrer, darunter Siedler, offen blieben.1,3,4
Die Identität der beiden Männer, denen der Angriff zur Last gelegt wird, war am späten Freitagvormittag noch nicht eindeutig geklärt, und es wurde nicht angegeben, ob es sich bei den Verletzten um Soldaten oder Zivilisten handelte. Netanjahu kündigte eine weitergehende Operation an. „Die IDF wird in die Viertel einrücken, aus denen die Terroristen hervorgegangen sind, die Bewohner evakuieren, Haus für Haus vorgehen und die Terrorinfrastruktur zerschlagen. Wir sind auf eine umfassende Operation in Judäa und Samaria vorbereitet“, sagte er.1,3