Bewaffnete eröffneten am Freitag während einer Beerdigung in einer griechisch-orthodoxen Kirche im Süden Jordaniens das Feuer auf Trauergäste. Am Sonntag versammelten sich Tausende, um die Opfer zu bestatten, während die Angreifer weiterhin flüchtig sind.1,4,6
Jordaniens Innenminister Mazen Al-Faraya sagte auf einer Pressekonferenz, mindestens sieben Menschen seien getötet und 34 weitere verletzt worden, und eine Gruppe Extremisten habe die Schüsse abgegeben. Der Angriff ereignete sich in der Kirche im Dorf Hamoud in der Provinz Karak, rund 180 Kilometer südlich der Hauptstadt Amman. Christen machen etwa 3 Prozent der überwiegend muslimischen Bevölkerung Jordaniens aus, und der Angriff war für die christliche Minderheit des Landes ungewöhnlich.4,1,6
Die Sicherheitsbehörde für öffentliche Sicherheit teilte mit, Angreifer seien auf das Kirchengelände eingedrungen, bevor sie das Feuer eröffneten. Die Bewaffneten seien aus einem Fahrzeug gestiegen und hätten während eines Trauerzugs geschossen. Die Fahndung läuft. Der staatliche Sender Al-Mamlaka strahlte Aufnahmen aus, die zwei Bewaffnete in Freizeitkleidung mit Pistolen und einen dritten mit einem Langwaffengewehr zeigen. Sie schossen von einem Eingang an der Straße auf die Kirche, bevor sie vorstürmten.4,6
Ein Augenzeuge sagte Al-Mamlaka, die Bewaffneten hätten fünf Minuten lang ununterbrochen geschossen, bevor sie flohen. Er gab an, dass sich 150 bis 200 Menschen in und um die Kirche befanden, die meisten Opfer seien zwischen 50 und 70 Jahre alt gewesen. Pfarrer Yohanna Hamati sagte der Nachrichtenagentur AFP, zu Beginn der Beerdigung seien etwa 170 bis 200 Menschen in der Kirche gewesen, als draußen die Schüsse fielen. Die Trauergäste hätten zunächst nicht verstanden, was geschah, bevor die Menschen ins Innere geflüchtet seien.4,1
Sahar al-Halsa berichtete Reuters, sie habe sich hinter einer Säule in Sicherheit gebracht, als Schüsse fielen und Menschen schrien. Als sie hinausstürzte, fand sie ihren verletzten Cousin Assem. "Assem, Assem, mein Liebling, antworte mir", erinnerte sie sich, ihn gerufen zu haben. Er habe kurz die Augen geöffnet, bevor er starb. Ein weiterer Überlebender, Samer Halsa, sagte laut einem Video, das Al-Mamlaka veröffentlichte: "Wir saßen betend in der Kirche….Sie fingen an zu schießen, während wir uns duckten."1,5
Die Regierung erklärte in einer Stellungnahme, der Angriff sei "von unbekannten Tätern verübt" worden. Sie teilte nicht mit, ob Bewaffnete gefasst oder getötet wurden. Es heiße, "die Ermittlungen laufen mit Hochdruck". Die Behörden haben bisher nicht festgestellt, ob die Angreifer mit einer bewaffneten Gruppe in Verbindung standen, und keine Organisation hat sich zu der Tat bekannt. Die jordanischen Behörden bezeichneten den Angriff als "extremistischen Terrorismus". Regierungskommunikationsminister Mohammed Al-Momani sagte, die Sicherheitskräfte ermittelten.6,1,4
Die Angaben zur Zahl der Todesopfer weichen voneinander ab. Al Jazeera berichtete von neun Toten und zahlreichen Verletzten; das neunte Opfer, Mohammed al-Qasous, soll am Montag beigesetzt werden. AP, CBS News und The Daily Wire nannten sieben Tote und 34 Verletzte, während in der Schlagzeile von NPR von sieben Toten und 40 Verletzten die Rede war. Die Berichte erklären den Unterschied nicht.1,6,4,5,3
König Abdullah II. besuchte am Freitag einige Verletzte im Krankenhaus und kündigte eine entschlossene Reaktion an. Er gelobte die "härteste Vergeltung" gegen die Angreifer und schrieb in sozialen Medien: "Jedes jordanische Leben ist kostbar, und wir werden mit eiserner Faust gegen jene vorgehen, die es wagen, unsere Nation zu bedrohen." In einer separaten Erklärung auf X sagte er, Jordanien werde "den terroristischen Akt, der sich gegen Karak richtete, mit den härtesten Strafen begegnen".1,4,6
Der libanesische Präsident Joseph Aoun, der einzige christliche Staatschef der arabischen Welt, bezeichnete die Schüsse als "abscheulichen terroristischen Anschlag". In einer Erklärung des Präsidialamts hieß es, dies "bekräftigt erneut, dass Terrorismus weder eine Religion noch eine Heimat hat, und dass sein Ziel darin besteht, das Zusammenleben zu treffen und Zwietracht zu säen". Ahmed al-Tayeb, Großimam der Al-Azhar, nannte den Anschlag ebenfalls einen "abscheulichen terroristischen Anschlag", als er den Familien der Opfer kondolierte.4,6
Die Beisetzungen fanden am Sonntag neben der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kirche in Hamoud statt, südwestlich von Amman, zwei Tage nach dem Angriff. Die Särge, die in jordanische Fahnen gehüllt waren, wurden durch die Menge getragen, während Priester Gebete leiteten und Sicherheitskräfte Wache standen. Ministerpräsident Jafar Hassan nahm zusammen mit Regierungsministern sowie hohen Militär- und Zivilbeamten teil, wie die staatliche Nachrichtenagentur Petra berichtete. Diese schrieb, Tausende Bürger hätten am Trauerzug teilgenommen. Der Angriff löste drei Tage nationaler Trauer aus.1
Auch Muslime wurden verletzt, berichtete AFP, und Solidaritätsbekundungen haben religiöse Grenzen überschritten. Pfarrer Hamati appellierte an die Einheit und betonte, auch Muslime hätten gelitten. "Wir machen keinen Unterschied zwischen Muslimen und Christen", sagte er AFP. In Washington zündeten Mitglieder der jordanischen Gemeinde vor der Botschaft ihres Landes Kerzen an. Botschafterin Dina Kawar erklärte, Versuche, religiöse Spaltung zu schüren, seien "zum Scheitern verurteilt".1
Am Samstag waren in der Kirche noch Einschusslöcher in den Wänden und Holzbänken zu sehen, Fenster waren zersplittert, und Mitarbeiter der Kirche reinigten Blutspuren. Karak war auch Schauplatz eines Vorfalls im Jahr 2016, bei dem Bewaffnete in einer Serie von Angriffen Polizisten überfielen, darunter an einer bei Touristen beliebten Kreuzritterburg. Dabei kamen zehn Menschen ums Leben, darunter sieben Polizisten. Jordanische Sicherheitskräfte töteten diese Bewaffneten nach einer langen Belagerung. Generalmajor Obeidallah Maaytah, Direktor der öffentlichen Sicherheit Jordaniens, sagte, 27 der Verletzten würden noch behandelt.1,6,4
Die Angreifer werden weiterhin gesucht. Das neunte Opfer, Mohammed al-Qasous, soll am Montag beigesetzt werden, teilte seine Familie der Nachrichtenagentur AFP mit.1