Eine Bundesgeschworenen-Jury in Washington hat am Dienstag davon abgesehen, die frühere Mitarbeiterin im Weißen Haus unter Trump, Cassidy Hutchinson, wegen Falschaussage gegenüber dem Kongress anzuklagen. Hintergrund war ihre Aussage vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses (House committee), der den Angriff vom 6. Januar 2021 auf das Kapitol der Vereinigten Staaten (U.S. Capitol) untersuchte.7,8
Das Justizministerium (Justice Department) hatte die Anklage beantragt. Die Washington Post berichtete zuerst, dass die Geschworenenjury die Anklageerhebung verweigert habe; der Ausgang wurde anschließend von Personen mit Kenntnis der Angelegenheit bestätigt.5,6,7,8
Zwei Personen, die der Associated Press unter Wahrung der Anonymität Auskunft gaben, weil sie nicht befugt waren, öffentlich über den Fall zu sprechen, sagten, die Geschworenenjury habe den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anklage Hutchinsons abgelehnt. Details zu den Vorwürfen der Staatsanwälte gegen sie waren zunächst nicht bekannt.5,8
Hutchinson arbeitete als Sonderassistentin von Mark Meadows, dem Stabschef Trumps, und wurde zur Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses. Ihre Aussage erfolgte im Juni 2022 bei einer überraschend anberaumten Anhörung, die nur 24 Stunden zuvor angekündigt worden war. Damals galt sie angesichts ihrer Nähe zur Macht als besonders wirkungsvoll.7,8
Hutchinson beschrieb einen wütenden, aufsässigen Präsidenten, der am Morgen des 6. Januar bei einer Kundgebung bewaffneten Demonstranten ersparen wollte, Sicherheitskontrollen durchlaufen zu müssen. Außerdem sagte sie aus, Trump habe später nach dem Lenkrad der Präsidentenlimousine gegriffen, als der Secret Service ihm verwehrte, zum Kapitol zu fahren, und er habe nicht eingegriffen, als die Menge „Hängt Mike Pence“ skandierte. ABC News berichtete, die Schilderung über das Lenkrad sei eine Geschichte gewesen, die ihr nach eigenen Angaben nur aus zweiter Hand zugetragen worden sei.7,8
Trump bestreitet die Schilderung über das Lenkrad vehement. Andere Mitarbeiter des Weißen Hauses bestätigten das konkrete Detail, dass Trump auf das Steuer zugestürzt sei, nicht. Damals bestritt Trump in seinem Netzwerk Truth Social große Teile von Hutchinsons Aussagen und nannte sie einen „völligen Schwindler“ und eine „schlechte Nachricht“.7,8
Hutchinson hat behauptet, Mitglieder von Trumps engstem Umfeld hätten ihr, während sie mit dem Ausschuss kooperierte, berufliche Möglichkeiten und finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt. Außerdem sagte sie aus, ihr eigener Anwalt, ein früherer Ethikberater im Weißen Haus unter Trump, habe ihr gesagt: „Je weniger Sie sich erinnern, desto besser.“8
Der frühere Sonderermittler Jack Smith, der Trump wegen seiner Bemühungen angeklagt hatte, die Niederlage bei der Wahl 2020 rückgängig zu machen, erklärte, er habe sich dagegen entschieden, Hutchinson als wesentliche Zeugin zu behandeln, nachdem er festgestellt habe, dass ein Großteil ihrer Aussage auf Hörensagen beruhte.7
Die Republikaner haben seit Langem versucht, Hutchinsons Aussage zu untergraben, und republikanische Abgeordnete warfen ihr vor, unter Eid gelogen zu haben. Trump hat sich in allen Anklagepunkten im Zusammenhang mit dem 6. Januar auf nicht schuldig berufen; Smiths Verfahren gegen ihn wurde schließlich eingestellt.7,8
Hutchinson hat erklärt, sie stehe weiterhin zu ihrer Aussage. Sie war am Dienstag zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.7
Die Entscheidung ist der jüngste Rückschlag für das Justizministerium bei seinen Bemühungen, Gegner des republikanischen Präsidenten anzuklagen. Kritiker bezeichnen die Unterstützung des Ministeriums für diese Bemühungen als Rachekampagne Trumps, eine Charakterisierung, auf die das Ministerium in den Berichten nicht eingegangen ist.7,8
Ein Sprecher des Justizministeriums war für eine Anfrage um Stellungnahme zunächst nicht erreichbar, und in den Berichten hieß es nicht, ob die Staatsanwälte eine neue Anklage beantragen könnten.7