Ein Bundesberufungsgericht in Kalifornien schien am Sonntag kaum bereit, dem Antrag des Justizministeriums stattzugeben, Bezirke dazu aufzufordern, rund 20.000 Briefwahlstimmzettel von Wählern zurückzuhalten, die die Regierung für wahrscheinlich Nicht-Staatsbürger hält. Die Anhörung endete ohne Entscheidung.1,3
Das Justizministerium verklagte Kalifornien Anfang dieses Monats mit dem Vorwurf, der Staat habe es versäumt, eine Liste mutmaßlicher Nicht-Staatsbürger zu prüfen, die nach Angaben der Trump-Regierung Briefwahlstimmzettel für die Zwischenwahl erhalten hätten. Die am 15. Oktober eingereichte Klage, rund drei Wochen vor dem Wahltag, verlangt von einem Richter, dem Staat zu untersagen, Briefwahlstimmzettel von Personen auszuzählen, die die Bundesregierung als wahrscheinliche Nicht-Staatsbürger identifiziert hat.3,5
Das Justizministerium bat das Berufungsgericht, bis Dienstag eine Entscheidung zu treffen, also vor einer für 13 Uhr PDT angesetzten Anhörung vor dem Bezirksrichter. Die Trump-Regierung argumentiert, der Bezirksrichter habe nicht schnell genug auf ihre Vorwürfe zu rund 20.000 potenziellen Nicht-Staatsbürgern in den Wählerverzeichnissen des Staates reagiert. Das dreiköpfige Richtergremium besteht aus zwei von Präsident Donald Trump ernannten Richtern und einem von dem früheren Präsidenten Joe Biden ernannten Richter.3
Berufungsrichter Mark Bennett, ein von Trump ernannter Richter, hinterfragte wiederholt, ob das Gericht in diesem Stadium überhaupt zuständig sei. „Ich sehe nicht, wie wir hier zuständig sein sollen“, sagte Bennett zu Matthew Donnelly, dem Anwalt des Justizministeriums. Bennett stellte auch die verfassungsrechtliche Grundlage der Klage infrage und fragte: „Wie kann sie etwas aushebeln, das ausdrücklich durch eine Bestimmung der Verfassung erlaubt ist?“ Seine wichtigsten Bedenken schienen die Wahlklausel (Elections Clause) der Verfassung zu betreffen, die den Bundesstaaten die Befugnis gibt, ihre Wahlen zu organisieren.3
Donnelly argumentierte, die Art, wie Kalifornien seine Wahlen verwalte, statt auf die Liste der 20.000 mutmaßlichen Nicht-Staatsbürger zu reagieren, beeinträchtige die Fähigkeit der Bundesregierung, das Bundesgesetz gegen die Stimmabgabe illegaler Einwanderer durchzusetzen. Er sagte, die Behörde habe Abhilfe gesucht, nachdem der Staat die Zahl der bereits bearbeiteten Briefwahlstimmzettel offengelegt habe, die er in die Hunderttausende bezifferte. Bennett entgegnete: „Wie können wir, ein Bundesgericht, etwas tun, das dem Kongress (Congress) vorbehalten ist, was der Kongress meiner Ansicht nach nicht getan hat?“ Donnelly erwiderte: „Ich würde einfach – leider – widersprechen, dass 18 USC 611 kein Wahlgesetz ist, das in die Befugnisse des Kongresses fällt.“3
Berufungsrichter Patrick Bumatay, ebenfalls ein von Trump ernannter Richter, drängte Kaliforniens Anwalt Samuel Siegel zu der Frage, warum eine einstweilige Anordnung nicht angemessen sei, um sicherzustellen, dass bei der laufenden Wahl keine Nicht-Staatsbürger wählen. „Ohne eine einstweilige Anordnung werden Sie nie erfahren, richtig?“, fragte Bumatay. Siegel sagte, der Staat sei „respektvoll anderer Meinung“ wegen der Zahl der Schritte, die Menschen bei der Registrierung unternehmen müssen, um ihre Staatsbürgerschaft zu belegen. Der Staat hat eine Erklärung eingereicht, wonach eine solche Anordnung eine „katastrophale“ Auswirkung auf die Auszählung der bevorstehenden Wahl haben könnte.3
Bumatays Fragen deuteten auf mehr Verständnis dafür hin, der Regierung irgendeine Form von Abhilfe zu gewähren. Bennett und Berufungsrichter Gabriel Sanchez, ein von Biden ernannter Richter, waren sich jedoch einig, dass die außergewöhnliche Entlastung, die das Ministerium begehrte, zu diesem Zeitpunkt nicht angemessen sei. Bennett sagte, Kongress und Landesparlament Kaliforniens „haben gesagt, dass Nicht-Staatsbürger nicht wählen dürfen“, und fügte hinzu, er sehe in dem Gesetz nicht vorgeschrieben, wie Kalifornien die Sortierung vorzunehmen habe.3
Die Auseinandersetzungen fielen zeitgleich mit dem Vorgehen, mit dem das Justizministerium auch direkt auf die Bezirksbeamten zugeht. Briefe, die Beamte des Justizministeriums an alle Bezirke Kaliforniens schickten und die ABC News beschrieben wurden, forderten die lokalen Beamten auf, sich „zu verpflichten, mit dem DOJ und dem DHS zusammenzuarbeiten, um festzustellen, wer auf der beigefügten Liste Staatsbürger ist und wer nicht“, und zwar innerhalb von 48 Stunden. Die am Freitag verschickten Briefe verlangten laut The Associated Press sensible Informationen, darunter Sozialversicherungsnummern, zu rund 20.000 Wählern. Das Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security, DHS) war ebenfalls beteiligt.3,5
Wahlbeamte in ganz Kalifornien erklärten, sie seien verwirrt und frustriert. John Tuteur, Wahlregistrar des Napa County, sagte, zwei uniformierte Beamte des Heimatschutzministeriums hätten am späten Freitag ein Schreiben in seinem Büro abgegeben, auf dem 42 Personen aufgeführt seien, denen vorgeworfen werde, als Nicht-Staatsbürger illegal zur Wahl registriert zu sein. Im Bezirk sind rund 86.000 Menschen als Wähler registriert, und bis Freitag hatten etwa 11.000 bereits einen Briefwahlstimmzettel abgegeben. „Das alles soll nur große Zweifel an der Integrität dieser Wahl wecken“, sagte Tuteur. Er fügte hinzu: „Wir ändern nichts an dem, was wir tun. Wir führen die Wahl durch.“ Im ländlichen Amador County wartete die Registerführerin (Clerk-Recorder) Kim Grady vor Fristende noch auf weitere Anweisungen des Landes.5
Justizministeriums-Sprecherin Kiersten Pels erklärte am Samstag in einer Mitteilung, das Ministerium verlange ausdrücklich „keine Säuberung, keine Streichung von Registrierungen oder irgendeine programmatische Maßnahme“, und Bundesbeamte baten um Zusammenarbeit, um „die sicherste Wahl in der Geschichte Kaliforniens zu gewährleisten“. Die Briefe folgten auf eine landesweite Durchsuchungsaktion am Montag, bei der 28 Personen von der Liste angeklagt wurden, illegal zur Wahl registriert zu sein. Einige wurden zudem beschuldigt, illegal gewählt und bei Einbürgerungsunterlagen gelogen zu haben. Diese Anklagen könnten zu jahrelangen Haftstrafen führen. Anfang dieses Monats hatte Justizminister Todd Blanche Bundesanklagen gegen zehn Personen in Minnesota angekündigt, denen vorgeworfen wird, bei den letzten drei Wahlen illegal gewählt zu haben.5,3
Bill Essayli, oberster Bundesstaatsanwalt in Los Angeles, erklärte: „Die Briefe sprechen für sich selbst. Jeder Wahlbeamte, der wissentlich den Stimmzettel eines Nicht-Staatsbürgers bearbeitet, setzt sich einem rechtlichen Risiko aus.“ Kalifornische Beamte halten dem entgegen, die Liste sei nicht verifiziert und enthalte die Namen rechtmäßiger Wähler. Das Büro der Generalstaatsanwaltschaft des Staates erklärte, die Briefe enthielten Fehler, darunter, dass Beamte des Mendocino County eine Liste von Personen erhalten hätten, die dort nicht wohnhaft seien, laut einer Gerichtsunterlage des Landesgerichts.5,3
In Gerichtsunterlagen, die diese Woche eingereicht wurden, sagten Beamte von Los Angeles, eine vorläufige Analyse von 200 Namen der Liste mit 20.000 Personen habe einen „hohen Anteil“ von Personen enthalten, die angeben, in den USA geboren zu sein, und viele weitere ohne Wählerhistorie. Knapp 40 Prozent dieser 200 „geben an, in den Vereinigten Staaten geboren zu sein, was starkes Indiz für die Staatsbürgerschaft ist; und 71,2 Prozent der Datensätze haben keine Wählerhistorie“, heißt es in einer Einreichung.3
Einige Bezirke Kaliforniens zählen bereits Stimmzettel aus. Wahlbeamte erklärten, sie hätten mit der Auszählung der Stimmzettel begonnen, die von den 23 Millionen registrierten Wählern des Staates eingegangen sind, und in Los Angeles waren bis Freitag bereits mehr als 331.000 Briefwahlstimmen gezählt. Eine Anhörung vor dem Bezirksrichter ist für Dienstag um 13 Uhr PDT angesetzt. Das Berufungsgericht hatte bis zum Ende der Sonntagsverhandlung noch keine Entscheidung getroffen.5